Montag, 12. Oktober 2015

Wie verzweifelt muss man sein?

Ich fand auf der Homepage der Firma Pass+Co folgenden Artikel:


Unter diesem Titel veröffentlichte World Highways im Juni 2015 einen Artikel.
Hier fällt auf, dass im Mittelstreifen als Regellösung sogenannte hinterfüllte Betonschutzwände gebaut werden sollen. Wer solche Lösungen realisiert, der hat schon bei der Planung Verkehrssicherungspflichten vernachlässigt. 
150820_A8_PPP2_9529d43db3Vergleichstest haben eindrucksvoll verdeutlicht dass hinterfüllte Betonwände eine erhöhte Gefahr für von der Fahrbahn abkommende Verkehrsteilnehmern darstellen. Es ist beim Anprall mit schwersten Verletzungen oder gar Todesfolge zu rechnen.
150820_A8_PPP3
„Pflanztröge“ im Mittelstreifen und/oder „Stützwände“ am Straßenrand sind keine brauchbaren Fahrzeugrückhaltesysteme und sollten von der Verantwortlichen im BMVI (StB11) zur Verbesserung der passiven Sicherheit untersagt werden.




Wenn man diesen Artikel liest, wird man schon etwas nachdenklich. Ist es nicht dieselbe Firma, die schon seit über 50 Jahren Fahrzeugrückhaltesysteme für Straßen im In-und Ausland fertigt und montiert? Trotz all ihrer Erfahrung auf diesem Fachgebiet wird es geduldet, das auf der Firmeneigenen Homepage mit unhaltbaren und realitätsfernen Thesen Front gegen stabilere Fahrzeugrückhaltesysteme gemacht wird!

Dies ist die offizielle Definition:


Ein Fahrzeugrückhaltesystem (FRS, ) ist eine passive Schutzeinrichtung an Straßen. Sie dient dazu, von der Fahrbahn abkommende Fahrzeuge und deren Insassen, und andere Verkehrsteilnehmer vor abkommenden Fahrzeugen zu schützen.

Dieser Definition konnte die Stahlplanke vor 50 Jahren noch gerecht werden. Doch in den letzten Jahren hat nicht nur der Straßenverkehr massiv zugenommen. Die LKW wurden schneller und schwerer. Auch die PKW wurden um einiges schneller, aber auch wesentlich sicherer!!
Zu Zeiten, als ein PKW noch keinen Seitenaufprallschutz und die Stahlplankenindustrie noch Hochkonjunktur hatte, startete man den Versuch die Sicherheit der Fahrzeuginsassen durch flexible Fahrzeug-Rückhaltesysteme zu kompensieren.

Dieser Versuch schlug gründlich fehl!


Seit geraumer Zeit hat sich die Autoindustrie der Sache angenommen. Heute fahren wir PKW, die rundum mit Airbags geschützt sind (in der Regel 9 Stück). Ungeachtet dessen schreibt sich die Stahlplankenindustrie heute noch auf die Fahne, für den Insassenschutz verantwortlich zu sein und führt an Rückhaltesystemen Anfahrtests mit uralten PKW ohne Airbags durch!
Aber als ob dies noch nicht genug wäre, werden die Anfahrtests im spitzen Winkel gefahren! Völlig unrealistisch, wenn man bedenkt das in Deutschland ein Rechtsfahrgebot herrscht!
LKW die z.B. auf der rechten Fahrbahn einen Reifenplatzer erleben, überqueren erst bis zu 3 Fahrspuren bevor sie im stumpfen Winkel in das Schutzsystem krachen!

In zahlreichen Artikel unter Passco/Aktuelles wird die Betonschutzwand verteufelt und die Stahlschutzplanke mit “optimaler Sicherheit” gekrönt! Diese wiederum beruht einzig und alleine auf dem sogenannten ASI-Wert, der unter anderem den Insassenschutz bezeichnet. Wenn man allerdings die Wahl hätte zwischen einer Beule am Kopf oder einem Sarg, würde man wahrscheinlich das erstere wählen.

Dazu kommt noch das sich die Stahlplanke in den letzten Jahren nicht dem Verkehrsaufkommen angepasst hat. Zwar gibt es ein neues System, die Super-Rail, von dem die Hersteller behaupten es wäre sicherer, aber das Gegenteil ist der Fall!
Man muss nicht studiert haben um zu wissen, dass bei einem längeren Hebel die Kräfte wesentlich höher sind. Ein LKW wird also eine höhere Super-Rail um so leichter niederwalzen können.